Donnerstag, 14. September 2017

Frage zum Freitod an viele parteilose Direktkandidaten

Eine Nutzerin von Abgeordnetenwatch.de stellte vielen von uns eine Frage, wie wir es zum Thema "Freitod" halten



"[...]Wie stehen Sie persönlich  - nicht Ihre Partei – zum Thema "selbstbestimmter Tod".
Damit meine ich ausdrücklich nicht nur "Sterbehilfe" im Fall schwerer, unheilbarer Krankheit, sondern den "Freitod" von Menschen, die niemandem etwas schuldig sind, also weder unmündige Kinder haben noch irgendwelche finanzielle Verbindlichkeiten.[...]"


 Meine Antwort:

Liebe Frau Lang,

ich kandidiere ohne Partei ;-)

Es gibt viele Dinge, in denen Mensch sich nicht ein Generalurteil, vor
allem sich aber kein Gesetz anmaßen sollte aus meiner Sicht.

Von daher kann ich Ihnen lang und breit über meine Einstellung zum
"Freitod" berichten, jedoch wird diese Meinung nicht bindendes Gesetz
werden für einen Bereich, der der facto nicht gesetzlich regelbar ist
- außer durch Angst und Strafe (leicht) verformt werden kann.

Gesetze können nicht verhindern oder bestimmen*, was Schicksal ist -
sie können nur Rahmenbedingungen schaffen und ich bin ja dafür, die
Rechte des Indivduums in allen Bereichen möglichst frei zu lassen und
Kollektiventscheidungen, die nicht unnötigerweise übergriffig die
Rechte des Individuums beschneiden, direkt demokratisch durchzuführen.

* Das gilt für mich gerade im Bereich "selbstbestimmter Tod" - denn
dieser IST ja eben ein Ausdruck dessen, dass man selber - ggf.
entgegen aller gesetzlichen Norm - ein Zeichen (des Protests) setzt
oder seine Unzufriedenheit mit dem irdischen Leben abbricht - und das
unabhängig ob man Familie hat (die sogar der Grund dafür sein kann)
oder "finanzielle Verpflichtungen".

Da ich als Mensch und Herrschaftkritikerin bzw. Anarchistin ZWANG als
Basis gesellschaftlicher Grundlage sowie als Basis des Zusammenhalts
ablehne, bin ich dafür, Menschen auf jeden Fall nicht zu bestrafen,
etwa wenn sie planen ihr eigenes Leben ohne Gefährdung anderer zu
beenden oder das bereits erfolglos versucht haben!

Dazu zählt auch das Unterlassen von ZWANGSPSYCHIATRISIERUNGEN (mit
Bettfesseln und Sedieren in den allermeisten Fällen.
Der Wille eines Menschen kommt für mich persönlich vor seinem von
außen andefinierten WOHL.
Doch ist ein Wille nicht frei, wenn der Mensch unter ZWANG steht.
Die Schwierigkeit wird sein, das im Einzelfall zu unterscheiden und zu
erkennen - doch eben genau deswegen helfen "Menschengesetze" an der
Stelle nicht gegen Naturgesetze.
Wo sie aber helfen, ist im Schaffen einer Grundlage und Praxis, in der
ANLÄSSE sich das Leben nehmen zu wollen, minimiert werden.
Nicht umsonst leben wir in einer Zeit, wo der Suizid oft vorkommt.
Als Mitinitiatorin der Gedenkaktion "die-opfer-der-agenda-2010.de"
(veranstalte ich übrigens wieder kommenden Samstag vor dem Görlitzer
Park) habe ich mich schon mit etlichen Suiziden befasst, die
vermutlich alle zu verhindern gewesen wären, wenn Existenzangst und
Tristesse durch einen restriktiven Arbeitsbegriff und gnadenloses
"Fallenlassen aus dem Sozialsystem" nicht aufgetreten wären.
Die Dunkelziffer dieser gesellschaftlichen Tode mag weit aus höher
sein und um diese Ursachen zu ergründen und Menschen zwangfrei und auf
Augenhöhe Halt zu geben braucht es viel mehr Zeit und Raum für eben
genau die Fragen des Lebens, die heute üblicherweise jeder in seiner
Freizeit mit sich allein abmachen soll, während  ein ungeplantes
nicht-institutionalisiertes kurzes "Nichtfunktionieren" oft mit
biographischen Brüchen bis hin zum Verlust der bürgerlichen Existenz
führen kann.

Fazit: nicht der, der sich das Leben nimmt, wird in irgendeiner Form
kriminalisiert, sondern jeder Suizid zum Anlass des Nachdenkens und
des achtsamen Umgangs miteinander verstanden, auf dass die Anlässe
schwinden. Das kann aber niemand garantieren oder gar Haftung für
übernehmen!
Das Leben nicht zur Schuldfrage machen und sich nicht einbilden, mit
übergriffigen strafbewehrten Ansätzen durch obrigkeitsinstanzen wäre
ein Mensch aus Kummer und Leid zu erlösen.
Liebe, die dringend nötig ist, lässt sich nicht per Gesetz oder
Knopfdruck verordnen.

Aber das alles und noch viel mehr können wir auch im Rahmen der
"weltrettung-durch-therapie.de
" auch unabhängig von den Entwicklungen
der Wahl diskutieren und philosophieren.

Mit bestem Dank für Ihre Frage - die Sie auch anderen Leuten stellten
wie es scheint -- und in der Hoffnung weitergeholfen zu haben,
FriGGa Wendt
Hinweis: Fragen brauchen eine Weile zum Sichtbar werden und Antworten ebenso! Stellt mir viele weitere Fragen - dort oder hier oder auf den anderen Plattformen, wenn Ihr mich beschäftigen und mehr von mir wissen wollt ;-)

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