am 20. 09. 2026 ist die BERLIN-Wahl (ich mache nur als Wählerin mit...)
(und nebenbeit: es ist derzeit "Woche des BGE" und das Cover beinhaltet das Thema schwimmen und Rettungsweste...) das allein ist aber nicht der Grund für eine ggf. etwas "seltsame Themenwahl" für eine Wahlkreisumfrage... ich schickte dies (OHNE weitere Erklärungen und Anmerkungen meinerseits) an die Erststimmbewerbenden und die Landeslisten-Mails:
ehrlicherweise musste ich Ihre E-Mail zweimal lesen, um sie ganz zu
erfassen. Sie ist sicherlich etwas ungewöhnlicher als die meisten
Zuschriften, die mich erreichen. Aber gerade deshalb habe ich sie gerne
gelesen. Vielen Dank dafür!
Ich beantworte Ihre Fragen mit kurzer Überlegung, aber weitgehend aus
dem Bauch heraus. Vielleicht ungefähr so, wie ich Ihnen auch in einem
persönlichen Gespräch spontan antworten würde.
1. Was kommt mir dabei in den Sinn?
Obwohl Sie ausdrücklich von einer Überfahrt von Spanien nach Marokko
schreiben, musste ich sofort an den umgekehrten Weg denken: an Menschen,
die von Marokko aus versuchen, Ende Juli Ceuta oder das europäische
Festland zu erreichen.
Mir kamen die schwer erträglichen Bilder von den europäischen
Außengrenzen in den Sinn. Von Menschen, die vor Krieg, Armut, Folgen der
Klimakatastrophe oder Perspektivlosigkeit fliehen und dabei Gewalt,
Zurückweisungen und Lebensgefahr ausgesetzt sind. Auch die Situation
geflüchteter Menschen auf Lesbos hat mich damals sehr bewegt und tut es
bis heute(weil ich dort persönlich sehr stark involviert war).
Vielleicht erinnern Sie sich ja noch.
Ein Teil meiner Familie lebt nahe der türkisch-syrischen Grenze. Dort
habe ich selbst gesehen, wie Menschen versucht haben, in die Türkei zu
gelangen oder über das Mittelmeer Europa zu erreichen. Deshalb war meine
erste Assoziation keine sportliche, sondern eine sehr politische und
persönliche.
Ich war zudem selbst schon an der Straße von Gibraltar und habe gesehen,
wie nah das marokkanische Festland von Spanien aus erscheint. Diese
räumliche Nähe steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zu den
politischen und sozialen Grenzen zwischen beiden Seiten.
2. Warum sollte jemand das machen?
Wenn ich Ihr Szenario wörtlich nehme und es tatsächlich um eine
sportliche Überfahrt von Spanien nach Marokko geht, kann es dafür
natürlich viele Gründe geben: Abenteuerlust, sportlichen Ehrgeiz, Freude
am Paddeln oder schlicht den Wunsch, eine besondere Strecke zu
bewältigen. Allerdings scheint mir genau dieser Weg dafür sehr
ungeeignet, weil die Strömung und der (vermutlich hohe?) Schiffsverkehr
das alles Verkomplizieren.
Meine erste gedankliche Reaktion führt mich allerdings wieder zum
umgekehrten Weg. Meine Großeltern kamen als sogenannte
Gastarbeiter*innen nach Deutschland. Dabei in der Hoffnung auf ein
besseres Leben für sich und die folgenden Generationen. Ein anderer Teil
meiner Familie kam aus der ehemaligen Sowjetunion in die damalige DDR.
Die Hoffnung, dass es den eigenen Kindern einmal besser gehen soll, ist
deshalb ein wichtiger Teil meiner Familiengeschichte.
Ich kann gut nachvollziehen, warum Menschen Grenzen überwinden, um
Sicherheit und eine Zukunft zu finden. Auch wenn ich selbst
glücklicherweise nie vor Krieg fliehen oder mein Leben bei einer solchen
Überfahrt riskieren musste.
3. Würde mich das Thema mehr interessieren, wenn es um die Spree ginge?
Für meine politische Arbeit in Berlin hätte ein Vorhaben auf der Spree
natürlich zunächst einen unmittelbareren Bezug. Dabei könnten
beispielsweise die Wasserqualität, der Schutz unserer Gewässer oder
sichere Sport- und Erholungsmöglichkeiten eine Rolle spielen. Dabei
denke ich vor allem an das Badeverbot in der Spree und wie absurd das in
den heutigen Tagen scheint - mir Hitzesommer und und zu wenig Schwimm-
und Badeorten!! Deswegen wäre alles spannend, was beispielhaft darauf
aufmerksam machen würde. Mehr Gerechtigkeit für alle Berliner*innen und
fairer Zugang zu Abkühlung im Sommer.
Grundsätzlich hängt mein Interesse aber nicht allein von der Entfernung
ab. Eine Strecke zwischen Spanien und Marokko kann politisch und
menschlich mindestens ebenso relevant sein – gerade weil sich dort
Fragen von Flucht, europäischen Außengrenzen und globaler Ungleichheit
sehr konkret zeigen.
4a) Wann könnte ich mir eine Unterstützung im Rahmen eines Mandats
vorstellen?
Besonders ansprechen würde mich ein Vorhaben, das ein glaubwürdiges
Zeichen für soziale Gerechtigkeit setzt – etwa gegen Kinder- und
Familienarmut oder Obdachlosigkeit.
Ich weiß aus meiner eigenen Kindheit, was es bedeutet, wenn das Geld am
Monatsende nicht mehr reicht. Wenn die Eltern sagen: „Iss heute bitte in
der Schule genug, denn wir können uns heute Abend kein Essen mehr
leisten.“ Oder wenn wir uns als Familie Geld leihen mussten, damit die
meine Schwester an einer Klassenfahrt teilnehmen kann. Solche kleineren
und größeren Situationen haben mir immer wieder gezeigt: Kinder- und
Familienarmut existiert – und wir waren selbst ein Teil davon.
Lange erschien mir das gar nicht als etwas Besonderes. Erst später, als
Erster in meiner Familie mit Abitur und als Erster an einer Universität,
habe ich verstanden, wie groß diese Schritte tatsächlich waren – gerade
im Vergleich zu den Startbedingungen vieler Menschen in meinem Umfeld.
Deshalb würde ich eine Sportler*in sehr gerne unterstützen, wenn mit
einer solchen außergewöhnlichen Leistung ein konkretes Anliegen
verbunden wäre: Kinder- und Familienarmut zu beenden, faire Startchancen
zu schaffen oder Obdachlosigkeit zu überwinden (und eben auf
gerechtigkeitfragen verbunden mit Sport oder Zugang zu Grundbedürfnissen
verbunden sind).
Für mich gehört ein eigenes Dach über dem Kopf zu den Grundlagen der
Menschenwürde. Jeder Mensch verdient die Möglichkeit, selbstbestimmt zu
leben. Das gelingt aber nur, wenn Kinder unabhängig vom Einkommen ihrer
Eltern lernen, Hausaufgaben machen und sich entfalten können. Es gelingt
nur, wenn Menschen, die auf der Straße oder in Gemeinschafts- oder
ASOG-Unterkünften leben, eine echte Perspektive erhalten. Und es gelingt
nur, wenn auch geflüchtete Menschen die Chance bekommen, ihr Leben
selbst in die Hand zu nehmen.
Ein Vorhaben, das diese Menschen nicht bloß als Kulisse benutzt, sondern
ihre Situation ernst nimmt und ganz konkret etwas verändern möchte,
fände ich politisch wie persönlich sehr unterstützenswert.
4b) Was würde mich außerhalb meiner mandatsbezogenen Aufgaben
interessieren?
Neben sozialer Gerechtigkeit würde mich persönlich besonders eine
Botschaft für queere Sichtbarkeit und Akzeptanz im Sport berühren.
Mein Partner und ich sind große Sportfans, vor allem beim Wintersport,
aber auch bei Fußball, Hockey und vielen anderen Sportarten. Dabei wird
immer wieder sichtbar, dass ein Coming-out für Sportler*innen oder
Schiedsrichter*innen noch längst nicht selbstverständlich ist. Manche
werden angefeindet oder sogar körperlich angegriffen. Umso wichtiger
sind die Geschichten von Sportler*innen, die offen sagen: Ich bin queer
– und das ist gut so.
Solche Momente tragen dazu bei, dass queeres Leben auch im Sport ganz
selbstverständlich seinen Platz bekommt. Als queerer Mensch berührt mich
das persönlich. Es vermittelt mir und vielen anderen: Wir sind normal,
wir gehören dazu und wir sind auch ein Teil des Breitensports und der
Sportgemeinschaft.
Wenn jemand eine solche sportliche Herausforderung nutzt, um ein Zeichen
für queere Sichtbarkeit und gegen Diskriminierung zu setzen, würde mich
das deshalb auch ganz unabhängig von einem politischen Mandat sehr
interessieren.
Sie dürfen meine Antworten gerne Dritten zeigen oder veröffentlichen.
Ich würde mich lediglich freuen, wenn sie vollständig und in ihrem
Zusammenhang wiedergegeben werden.
Wie eingangs geschrieben, sind diese Antworten vor allem aus dem Bauch
heraus entstanden – mit kurzer Überlegung, aber ohne lange Recherche
oder Ähnlichem.
Herzliche Grüße
Can Aru --
Can Aru
Kandidat für das Abgeordnetenhaus Berlin 2026
Wahlkreis Pankow 07
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Pankow
Pappelallee 84 | 10437 Berlin
Mobil: +49 157 30879644
Web: can-aru.com | gruene-pankow.de
Instagram: @can_diego_aru
Spenden: gruene-pankow.de/spenden
Termine: gruene-pankow.de/can-aru/
Hallo Frigga,
Dabei hast Du auch die ÖDP bedacht, obwohl wir weder in Deinem Wahlkreis noch irgendwo anders in Berlin mit Wahlkreiskandidaturen antreten. Allerdings sind wir in ganz Berlin mit unserer Landesliste wählbar und haben als einzige Partei in diesem Wahlkampf das Thema „Politische Kultur“ auf die Agenda gesetzt; vgl. hier:
https://www.oedp-berlin.de/
Auch wenn ich also kein Kandidat bin, den Du wählen könntest, will ich trotzdem noch eine kurze persönliche Anmerkung zu Deinem Gedankenexperiment machen: Wenn jemand durch die Spree paddelt, interessiert mich das ehrlich gesagt nullkommanull. Und ob jemand von Rhodos nach Antalya oder von Tarifa nach Tanger paddelt, eigentlich ebenso. Letzteres könnte man zwar mit einem politischen Symbolgehalt aufladen, was die Sache für mich aber nicht interessanter machen würde. Denn ich bin kein Freund von reiner Symbolpolitik, sondern fände es hundertmal wichtiger, die Lebenssituation von Flüchtenden vor(!) bzw. während bzw. nach ihrer Flucht konkret zu verbessern, statt lediglich ein Zeichen für oder gegen etwas zu setzen.
Viele Grüße
Dr. Björn Benken
1. Stellv. Landesvorsitzender der ÖDP Berlin
An der Wabe 5, 38104 Braunschweig
Tel.: 0531-3789500 (leitet ggf. weiter)
E-Mail: oedp@wahlreform.de
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen